Zum Jahreswechsel an die Altersvorsorge denken

Daniel Christen - 19.12.2018

VORSORGEN STATT HEILEN – Neues Jahr, neue Chance sich um alte Vorsätze zu kümmern? Hier 10 Tipps vom Experten für KMUs und ihre Mitarbeitenden. Dr. Thomas Walke von Smolio fasst zusammen, was KMU als Arbeitgeber und die Arbeitnehmenden selbst tun können. Denn gerade der Jahreswechsel bietet eine gute Gelegenheit, um die Vorsorge in Ordnung zu bringen.

 

Viel Erfolg mit diesen Tipps im neuen Jahr!

 

Welche Tipps geben Sie KMU und ihren Angestellten fürs neue Jahr mit?

  1. Als Arbeitgeber, überprüfen Sie, wie gut die Leistungen der eigenen Vorsorgeeinrichtung im Konkurrenzvergleich sind. Weil das nicht zu Ihrem Tagesgeschäft als Unternehmer gehört, ziehen sie am besten einen Spezialisten bei. Dieser hilft Ihnen die Konditionen regelmässig zu prüfen und neu auszuhandeln und von Prämienreduktionen zu profitieren.
  2. Schliessen Sie PensionskassenVerträge mit kurzer Laufzeit ab (B. 3 bis 5 Jahre),denn so können Sie ggf. rechtzeitig zum Auslaufdatum wechseln.
  3. Achten Sie auf Ausstiegsklauseln bei Verträgen mit Pensionskassen, je nachdem können ihnen Kosten für die Auflösung entstehen. Diese Klauseln sollten verhandelt werden.
  4. Achten Sie auf den Digitalisierungsgrad und optimierte online Prozesse bei Ihrer Pensionskasse. Wenn die Administration einfacher läuft sparen Sie selbst Zeit und Geld in ihrem KMU und die Kasse spart bei den Verwaltungskosten.
  5. Für alle, nutzen Sie den Jahreswechsel, um sich ein Bild zur Situation zu verschaffen. Wie viel werde ich bekommen wenn ich in Rente gehe, wie viel brauche ich, reicht es? Tools unterstützen kostenlos beim Kassensturz.
  6. Für Arbeitnehmende, auch wenn das Thema Altersvorsorge gerade für junge Mitarbeitende noch “weit weg” ist: sich damit zu beschäftigen lohnt sich. Rentenlücken kann man in der AHV bis zu 5 Jahre zurück noch nachzahlen.
  7. Prüfen Sie die Möglichkeit von freiwilligen Einkäufen in die Pensionskasse und nehmen Sie diese ggf. wahr. So können Sie die zweite Säule aufstocken und Steuern sparen, die Einkäufe können Sie nämlich abziehen. Das ist umso attraktiver je älter Sie sind.
  8. Beginnen Sie eine Säule 3a möglichst jung. Dann profitieren Sie vom Zinseszinseffekt. Falls Sie noch kein 3a Konto haben, gilt der Grundsatz “sparen und versichern trennen”. Darum 3a Gelder in 3a Konto oder 3a Wertschriften anlegen, nicht in Versicherungsprodukte.
  9. Zahlen Sie die Säule 3a wenn möglich bereits zu Jahresbeginn ein – dann bekommen Sie ein Jahr länger Rendite. Wenn das private Januarloch zuschlägt, können Sie zumindest im Januar den Dauerauftrag aufsetzen und jeden Monat ein Zwölftel des maximalen Betrags von 6‘826 CHF für 2019, also 568.80 CHF, aufs 3a Konto einzahlen. Dann ist es erledigt.
  10. Falls Sie mit Kursschwankungen umgehen können und das Geld nicht in den nächsten Jahren benötigen (z.B. als Eigenkapital für Wohneigentum), investieren Sie 3a Gelder mit langem Anlagehorizont am Kapitalmarkt. Wählen Sie für 3a-Anlagen am Kapitalmarkt passive Produkte, und keine aktiven Fonds. Die besten Anbieter dazu sind hier beschrieben.

 

Dr. Walke, wie wichtig ist den Schweizern die Altersvorsorge?

In den letzten Jahren hören und lesen wir vermehrt darüber, dass unser gutes Schweizer Vorsorgesystem mittelfristig nicht mehr finanzierbar ist und einer Reform bedarf. Spätestens mit der letztjährigen Abstimmung zur AHV-Reform 2020 ist das Bewusstsein für Altersvorsorge gestiegen. Das Sorgenbarometer der Schweiz zeigt, dass 45% der Schweizer sich um ihre Pension sorgen. Neu ist das Thema auch bei Jugendlichen die Sorge Nummer eins. Ich würde aber sagen, es ist wichtig genug, um uns Sorgen zu machen und gelegentlich auch zu jammern, jedoch vielen nicht wichtig genug, um auch zu handeln.

 

Warum müssen wir dringend handeln?

Mit einem Wort: Lebenserwartung. Wir werden immer älter und die Frage ist, mit welchen Mitteln diese zusätzlichen Jahre finanziert werden sollen, denn die Rechnung in der 1. und 2. Säule geht nicht mehr auf. Die Lebenserwartung nach dem 65. Altersjahr hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Das Vorsorgesystem wurde aber nicht im gleichen Ausmass angepasst. Das bedeutet, die effektive Rentenleistung hat sich stillschweigend erhöht, denn die Rente wird länger bezahlt. Wie relevant die Zunahme der Lebenserwartung ist, zeigt sich im internationalen Vergleich. Die Lebenserwartung in der Schweiz liegt weltweit hinter Japan auf Platz zwei. Darum ist eine Anpassung des Vorsorgesystems in der 1. und 2. Säule unumgänglich damit die Leistungen finanzierbar bleiben, auch wenn dies in der breiten Bevölkerung als unpopulär angesehen wird. Kamen zum Zeitpunkt der Einführung der AHV 1948 über sechs Aktive auf einen Rentner, sind das heutzutage noch rund drei und 2045 dürften es noch zwei sein. Im BVG wurde der Umwandlungssatz in den letzten 10 Jahre nicht angepasst. Fakt ist, dass die Schweiz heute im OECD-Vergleich zu den Ländern mit dem tiefsten gesetzlichen Rentenalter und den längsten Rentenbezugsdauern gehört.

 

Die Reform ist also unausweichlich, wie bereiten wir uns darauf vor?

Damit wir uns langfristig besser aufstellen können, sollten wir das bestehende System erst einmal verstehen. Die drei Säulen des Schweizer Vorsorgesystems funktionieren nach unterschiedlichen Logiken. Die erste Säule, AHV, dient der Existenzsicherung. Sie ist umlagefinanziert und gibt uns einen Teil der Rente je nach Beitragsjahren und Einkommenshöhe. Die zweite Säule, BVG, ist die persönliche Pensionskasse. Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmenden werden angelegt und verzinst – und im Alter einmalig als Kapital oder als Rente oder in einer Mischform ausbezahlt. Daneben soll die freiwillige dritte Säule Vorsorgelücken schliessen. Denn mit der ersten und zweiten Säule kommen die meisten lediglich auf 60% ihres bisherigen Einkommens. Während Private somit vor allem in der dritten Säule handeln sollten, können KMU bei der zweiten Säule KMU ihren Beitrag leisten.

 

Was können KMU in der zweiten Säule tun?

KMU-Inhaber legen die Altersleistungen für Mitarbeitende durch die Wahl der Pensionskasse fest. Die Mitarbeitenden bekommen die Vorsorgeleistungen, die die vom KMU-Inhaber gewählte Pensionskasse bietet. Als Unternehmer hat man grundsätzlich die Wahl zwischen zwei Modellen: erstens der Vollversicherung und zweitens der teilautonomen Sammelstiftung. Bei beiden Modelle werden die Beiträge für einen Sparteil und einen Risikoteil verwendet.

Bei der Vollversicherung steht die Sicherheit im Vordergrund. Hier garantiert eine Versicherungsgesellschaft als Rückversicherer jederzeit 100% der Vorsorgeleistungen. Dies wird durch etwas höhere Beiträge und geringeres Renditepotential auf dem Altersvermögen erkauft.

Bei teilautonomen Vorsorgelösungen sind nur die Risiko- und Todesfallleistungen versichert, also jederzeit zu 100% garantiert. Das Altersvermögen wird entsprechend der Anlagestrategie der Sammelstiftung am Kapitalmarkt angelegt. Es unterliegt Schwankungen und eröffnet die Chance auf ein langfristig höheres Renditepotential.

 

Leistungsvergleiche für die Pensionskasse sind aufwändig. Worauf müssen KMU achten?

Bei einem Vergleich verschiedener Anbieter müssen die wichtigsten Faktoren herangezogen werden. Dies sind der Deckungsgrad im Zusammenhang mit dem angewendeten technischen Zinssatz, der Umwandlungssatz, die Verwaltungskosten und die Verzinsung der Altersguthaben. Es gibt spezialisierte Dienstleister die dabei helfen können eine leistungsfähige Vorsorgeeinrichtung zu finden.

Als KMU-Inhaber muss man sich überlegen, ob Sicherheit der Rentenhöhe oder die Aussicht auf höhere Renten wichtiger sind und ob man eine Sicherheit der Rente mit höheren Prämien bezahlen will. Das legt dann das Modell Vollversicherung oder teilautonome Sammelstiftung fest. Wenn’s dann um die Anbieterauswahl geht, muss man sich überlegen welcher der Vergleichsfaktoren wie stark gewichtet wird.

Vergleichsfaktor 1: Deckungsgrad als Indikator für künftige Zahlungsfähigkeit der Renten

Der Deckungsgrad zeigt das Verhältnis zwischen den Verpflichtungen und dem Vermögen einer Vorsorgeeinrichtung auf.  Mit dem technischen Zinssatz, einer reinen Rechengrösse, werden die künftig fälligen Leistungszahlungen auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst. Eine Senkung des technischen Zinssatzes führt daher zu einem tieferen Deckungsgrad. Beim Vergleich zweier Angebote mit vergleichbaren Deckungsgrad ist dasjenige besser, welches den tieferen technischen Zinssatz anwendet. Als Faustregel gilt: 0,5 Prozent Unterschied im technischen Zinssatz machen 5% Unterschied im Deckungsgrad aus. Die besten Anbieter haben bei 2% technischen Zins einen Deckungsgrad von 115 bis 120%.

Vergleichsfaktor 2: Umwandlungssatz als Indikator für die Rentenhöhe

Der Umwandlungssatz “übersetzt” das zum Pensionierungszeitpunkt angesparte Altersvermögen eines Versicherten in eine Altersrente. Beispielsweise werden so aus 500’000 CHF Altersvermögen und einem Umwandlungssatz von 6% 30’000 CHF Altersrente pro Jahr – lebenslang. Die öffentliche Debatte bezieht sich immer auf den Mindestumwandlungssatz, der für das Altersvermögen in der obligatorischen 2. Säule gilt. Im Obligatorium sind ab 1.1.2019 Einkommen bis maximal 85’320 CHF versichert. Falls darüber hinausgehende Einkommen versichert sind, kann die Vorsorgeeinrichtung auf die daraus entstehenden überobligatorischen Guthaben entweder einen anderen (gesplitteten) Umwandlungssatz anwenden oder einen gemeinsamen (sog. umhüllenden) Umwandlungssatz auf das Gesamtvermögen. Dieser kann auch unter dem gesetzlichen Umwandlungssatz liegen, solange die Rentenhöhe mindestens der obligatorischen Vorsorge entspricht.

Vergleichsfaktor 3: Zins auf dem Altersguthaben als Indikator für die Leistungsfähigkeit der Anlagestrategie

Der Mindestzinssatz gilt für den obligatorischen Teil des Altersvermögens. Er wird jährlich vom Bundesrat überprüft und festgelegt und beträgt derzeit mindestens 1%. Für den überobligatorischen Teil sind die Vorsorgeeinrichtungen frei, mit welchem Zins sie das Kapital verzinsen. Der Unterschied zwischen besten und schlechtesten Anbieter liegt über Faktor 2.

Vergleichsfaktor 4: Verwaltungskosten als Indikator für die Effizienz des Anbieters

Die Höhe der Verwaltungskosten pro versicherte Person ist ein Massstab für die Effizienz der Vorsorgeeinrichtung. Grösse zahlt sich hier aus, da Fixkosten besser verteilt werden können. Zwischen dem besten und schlechtesten Anbieter liegt der Faktor 10, Anbieter auf den ersten Plätzen liegen bei Verwaltungskosten zwischen 150-300 CHF pro Person.

 

Über Dr. Thomas Walke, Experte für KMUs und ihre Mitarbeitenden, Partner, Smolio

Dr. Walke hat an der Universität Aachen in Wirtschaftswissenschaften doktoriert, und sich an der London School of Economics und am IMD in Lausanne weitergebildet.  Dr. Walke ist Partner und Mitgründer von Smolio.

Smolio ist die unabhängige Schweizer Plattform in Finanz- und Vorsorgefragen für Privatpersonen. Smolio bietet verständliches und unabhängiges Finanzwissen für alle. Mit gezieltem Know-how erhalten alle die Möglichkeiten, Finanzentscheidungen selbst zu treffen und ihre Vorsorge zu optimieren. Denn Finanzen sollen Spass machen und ein gutes Gefühl geben. Die Plattform unterstützt dabei mit smarten Tools und unabhängigen Profis, die bei Fragen helfen.

Smolio und Systemcredit kooperieren bei Content im Themenbereich “KMU & Finanzierung”.

www.smolio.ch

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