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Der Leverage-Effekt

Laura Schaad - 08.02.2021
Wissen | Leverage-Effekt | Systemcredit AG

Symbolbild: Balance (Quelle: Martin Sanchez, Unsplash)

Ein Unternehmer steigert seinen wirtschaftlichen Erfolg, indem er sich gezielt verschuldet. Das hört sich für Sie eher wie ein Traum an? Nein, es funktioniert tatsächlich und nennt sich «Leverage-Effekt». Wie und weshalb er funktioniert, erfahren Sie hier.


 

Autoren:         Daniel V. Christen
                          Laura Schaad

 


 

Gerade in KMU-Kreisen wird Verschuldung mit Krediten manchmal als negativ empfunden. Der Unternehmer will «Herr im Haus» bleiben. Da ist es doch am besten, man macht sich nicht von Dritten abhängig, indem man sich bei diesen Geld leiht. Und schliesslich soll man nichts unternehmen, wozu man selbst nicht genug Geld hat. Diese uralten Schweizer Muster wurden durch die amerikanischen Junk-Bonds der Achtziger und die morschen Hypothekenpapiere der Nuller-Jahre noch verstärkt. Viele erinnern sich an den Hollywood Blockbuster «Wall Street» von 1987 und seine Fortsetzung von 2010. Michael Douglas spielte den überheblichen Investmentbanker Gordon Gecko, der Firmen mit geliehenem Fremdkapital übernimmt und diese dann am Schuldendienst fast Konkurs gehen lässt.

 

Was ist der «Leverage-Effekt»?

So ist das Wort «Verschuldung» stark negativ belegt und irgendwie ist es verwirrend, dass das mit etwas Positivem wie «mehr Gewinn» zusammenhängen soll. Deshalb wollen wir Ihnen den «Leverage-Effekt» anhand eines Beispiels ganz einfach erklären. Beim «Leverage-Effekt» handelt es sich um eine positive Hebelwirkung, die eine erhöhte Fremdfinanzierung auf die Eigenkapitalrendite ausübt. Solange das Unternehmen eine Gesamtrendite erwirtschaftet, die über dem Fremdkapitalzinssatz liegt, kann durch die Aufnahme von weiterem Fremdkapital die Eigenkapitalrendite erhöht werden.

 

Die Shompaa AG

Bei unserem Beispiel der Shompaa AG handelt es sich um einen fiktiven kleinen Handel, der Haarpflegeprodukte vertreibt. Der Unternehmer erzielt in einem normalen Jahr 10 % Rendite auf dem Eigenkapital seines KMU. Nun hat er die Möglichkeit, eine Hotelkette als Kunde zu akquirieren, damit einen Grossauftrag an Land zu ziehen und zu wachsen. Allerdings reicht sein Eigenkapital nicht aus, um die benötigte Menge an Produkten einzukaufen und an Lager zu nehmen, damit er jederzeit lieferfähig ist, wenn die Hotelkette nachbestellt. Er muss das Geld für den Grossauftrag deshalb anderweitig beschaffen.

Die Shompaa AG findet einen Kreditgeber, der das Geld zu 5 % Zins zur Verfügung stellt. Mit dem geliehenen Fremdkapital kann das Unternehmen mit dem Grossauftrag genauso 10 % Rendite erwirtschaften wie bisher nur mit Eigenkapital. Von diesen 10 % Rendite muss zwar noch immer 5 % Zins an den Kreditgeber bezahlt werden, die restlichen 5 % bleiben jedoch als zusätzliche Rendite übrig. Dank dieser steigt dann die Eigenkapitalrendite von 10 % auf 15 %. Die positive Hebelwirkung funktioniert nur so lange, wie die Gesamtkapitalrendite, also diejenige Rendite, die Sie mit dem Projekt erwirtschaften, höher liegt als der Zins fürs ausgeliehene Geld beim Kreditgeber. Ganz einfach, oder? So können Sie Ihre Projekte in Zukunft gesund finanzieren und damit Ihren wirtschaftlichen Erfolg steigern.

Wissen | Positiver Leverage-Effekt | Systemcredit AG

Bild: Positiver Leverage-Effekt (Quelle: Systemcredit)

 

Wir stellen Ihnen das Beispiel der Shompaa AG zum Download zur Verfügung. So können Sie mit Ihren Renditen und Zinsen selbst ausprobieren und herausfinden, ob der «Leverage-Effekt» Ihr KMU unterstützen kann.

zum Download

 

Die Shompaa AG im Detail erklärt:

  1. Der Unternehmer hinter der Shompaa AG weiss, dass sein KMU mit 100’000 Eigenkapital jährlich einen Gewinn von 10 % oder 10’000 erwirtschaften kann, ohne dass sich das Eigenkapital reduziert. Sein Betrieb erwirtschaftet also mit einer Eigenkapitalrendite von 10 % jährlich 110’000.
  2. Nun findet er eine Bank als Kreditgeber, die ihm für den Grossauftrag der Hotelkette 100’000 leiht und dafür 5 % Zinsen verlangt. Der Unternehmer hat jetzt 200’000 zur Verfügung, die er in seinem KMU Shompaa AG arbeiten lassen kann, wozu er sich extra höher verschuldet hat. Er muss das geliehene Geld plus 5’000 Zinsen, zusammen 105’000 zurückzahlen.
  3. Wenn das Jahr der Shompaa AG genauso rentabel verläuft wie immer, so wird der Unternehmer nun dank des Grossauftrags insgesamt 220’000 erwirtschaften. 200’000 an eingesetztem Kapital plus 10 % oder 20’000 Gesamtkapitalrendite.
  4. Von diesen 220’000 muss die Shompaa AG allerdings das geliehene Geld von 100’000 plus 5’000 Zinsen, total 105’000, nach einem Jahr zurückzahlen.
  5. Der Shompaa AG bleiben aber immer noch 115’000 der 220’000, das sind 5’000 mehr als die 110’000 im Vorjahr. Mit anderen Worten, die Rendite auf dem gleich gebliebenen Eigenkapital von 100’000 steigt von 10 % auf 15 %. Und den Jahresgewinn von 15’000 könnte der Unternehmer in seinem KMU Shompaa AG behalten, um das Eigenkapital zu verstärken. Oder an die Eigentümer ausschütten als deren Verdienst auf dem zur Verfügung gestellten Eigenkapital.

 

Im Zahlenbeispiel konnte also der Unternehmer die Eigenkapitalrendite der Shompaa AG von 10 % auf 15 % steigern, indem er einen Kredit aufgenommen hat. Der Gewinn der Shompaa AG stieg in diesem Beispiel von 10’000 bei reinem Einsatz von Eigenkapital auf 15’000 oder 15 % bei Einsatz von Fremdkapital.

Besser wird es sogar noch, wenn der Unternehmer einbezieht, dass die Shompaa AG als KMU die Kreditzinsen ja von den Steuern abziehen kann, also mittels Fremdkapitaleinsatz nochmals etwas mehr Geld sparen und die Rendite erhöhen kann. Erweitern wir das obige Zahlenbeispiel:

 

  1. Die gesamte Steuerbelastung am Standort der Shompaa AG ist 30 %. In einem normalen Jahr muss die Firma also 30 % oder 3’000 der 10’000 Gewinn als Steuern bezahlen, wenn kein Fremdkapital und steuerlich abzugsfähige Zinsen im Spiel sind. Nach Steuern bleibt also noch ein Reingewinn von 7’000. Bezogen auf das Eigenkapital von 100’000 entspricht das einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von 7 %.
  2. Im Jahr, wo der Unternehmer die Verschuldung der Shompaa AG erhöht hat, um den Grossauftrag abwickeln zu können, erwirtschaftet er einen Gewinn von 15’000. Nun kann er die Fremdkapitalzinsen von 5’000 von den Steuern abziehen. Ohne abzugsfähige Zinsen würde die Shompaa AG 30 % oder 6’000 Steuern auf dem dann massgebenden Gewinn von 20’000 bezahlen müssen. Es blieben dem KMU nach an die Bank bezahlten Zinsen und an den Staat abgelieferte Steuern noch 9’000 Reingewinn oder 9 % Eigenkapitalrendite. Das ist immer noch ein höherer Gewinn als ohne Fremdkapitaleinsatz.
  3. Weil in der Schweiz wie in den meisten Ländern Schuldzinsen voll von der Steuer abgesetzt werden dürfen, entspricht die Steuerersparnis dem Betrag von 30 % oder 1’500 der für die Steuerbemessung abgezogenen Zinsen von 5’000. Das entspricht einem zusätzlichen Gewinn von total 1’500 durch die Shompaa AG nicht an den Staat gezahlten Steuern. Dank dieser Steuerpraxis wächst also der Gewinn nach Steuern von 9’000 auf 10’500 verglichen mit dem Fall ohne Fremdkapital und deshalb ohne steuerlich abzugsfähige Zinsen. Die Eigenkapitalrendite auf dem unveränderten Eigenkapital von 100’000 wächst damit auf fast 11 % an, verglichen mit 7 % ohne steuerlich abzugsfähige Zinsen.

 

Wie hilft es Ihnen als Unternehmer?

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen den Leverage-Effekt für sich nutzen, so wie das die Shompaa AG im obigen Zahlenbeispiel gemacht hat. Mit der Hebelwirkung des Leverage-Effekts können Unternehmenserfolge noch verstärkt und bisher brachliegendes Potenzial freigesetzt werden. Der Einsatz von Krediten kann zu mehr Wachstum, Vorsprung gegenüber der Konkurrenz und Markenreichweite führen. Lassen Sie sich von den KMU-Finanzierungsexperten von Systemcredit beraten, wie gesunde Finanzierung auch in Ihrem KMU helfen kann, unternehmerisches Potenzial freizusetzen.

 

Risiken und Nebenwirkungen

Aber aufgepasst, der Hebel des Leverage-Effekts funktioniert auch in die andere Richtung. Wenn die Gesamtrentabilität sinkt und/ oder die Zinsen steigen, dann entsteht ein Minus statt ein Plus. Falls die Shompaa AG eines Tages nur noch mit 5 % rentieren sollte, sich die zu bezahlenden Schuldzinsen aber aufgrund der konjunkturellen Grosswetterlage oder einer massiven Verschuldung der Shompaa AG auf 15 % erhöht haben, dann dreht der Hebel ins Negative. Im Zahlenbeispiel für den negativen Hebeleffekt der Shompaa AG sieht man, dass der Jahresgewinn vor Zinsen und Steuern von 10’000 oder noch bescheidenen 5 % des Gesamtkapitals von 200’000 nicht ausreicht, die Schuldzinsen zu bezahlen. Es resultiert ein Verlust, denn die Zinsen auf den Schulden sind zu bezahlen, egal ob das Jahr profitabel war. Dass bei Verlusten keine Steuern anfallen ist dann ein kleiner Trost.

Wissen | Negativer Leverage-Effekt | Systemcredit AG

Bild: Negativer Leverage-Effekt (Quelle: Systemcredit)

 

Der Effekt ist also mit Vorsicht zu betrachten. Denn nicht jede Investition macht Sinn. Ein Investment mit unzureichender Rendite des eingesetzten Kapitals wirkt sich negativ aus und das geht so weit, dass das Eigenkapital sogar negativ werden kann. Dies kann ein Indiz für drohende Zahlungsunfähigkeit sein und hat ernste Konsequenzen. Hoher Fremdkapitaleinsatz verunmöglicht zudem im Ernstfall jede weitere Finanzierung durch Dritte und schränkt den Handlungsspielraum ein. Die Begleichung von Verbindlichkeiten wie der Gehälter stünde in diesem Falle auf dem Spiel. Wer die Vorteile des Leverage-Effekts nutzen will, sollte deshalb unternehmerische Vorsicht walten lassen und sich gut beraten lassen.

 

Ihnen ist das Ganze zu heikel und Sie möchten sich lieber beraten lassen? Das Team von Systemcredit steht Ihnen mit langjähriger Erfahrung in verschiedenen Bereichen zur Seite. Wir legen hohen Wert auf einen vertrauensvollen Umgang und unterstützen Sie mit Transparenz, Fairness, Ehrlichkeit und grossem Engagement.

Ausserdem finden Sie auf unserer digitalen Kreditplattform unabhängigen Zugang zu mehreren Kreditofferten von verschiedenen Anbietern. So können wir Ihnen einfach und effizient helfen, möglichst tiefe Kreditzinsen zu finden, um den Leverage-Effekt nutzen zu können.