Wieviel därfs denn sii?

Finanzierungslösungen von Banken

Daniel Christen - 16.03.2020
Systemcredit | Symbolbild Banken

Serie Finanzierungslösungen: Teil 1 von 3 – Banken

Jede KMU muss Zahlungen empfangen und selbst aufgeben können, wozu man ein Konto benötigt. Solche Konti gibt es bisher nur bei Banken. Deshalb muss jedes KMU ein Bankkonto eröffnen. Welche Lösungen bieten Banken denn KMU im Finanzierungsbereich an und was können Banken sonst noch für KMU tun?

 

Wer ist eigentlich eine Bank?

In der Schweiz darf sich nur «Bank» nennen und sich damit der Bevölkerung zur Entgegennahme von Geldern oder zur Herausgabe von Krediten öffentlich anbieten, wer eine Bankenbewilligung der FINMA hat. Die Gründung einer Bank bedingt ein minimales Eigenkapital in der Höhe von CHF 10 Millionen. Zusätzlich müssen bei der Eröffnung und jederzeit danach unzählige Kriterien und Anforderungen an Geschäftstätigkeit, Verwaltungsrat und Geschäftsführung, Businessplan, Organisationsform, Funktionentrennung, Risikomanagement, Kontrollsystem und Revision erfüllt sein. Ausserdem muss regelmässig Bericht über sämtliche Vorgänge an unterschiedliche Stellen und die Nationalbank erstattet werden.

Eine Bank zu gründen und zu führen ist also extrem kompliziert und anspruchsvoll, was angesichts ihrer für das Land, die Wirtschaft und den Wohlstand hohen Wichtigkeit auch richtig ist. Die Hürden sind so hoch, dass es kein Wunder ist, dass es in der Schweiz lediglich 248 bewilligte Banken gibt (Quelle: Bewilligte Banken und Wertpapierhäuser, FINMA, Stand 16. März 2020) , die zusammen nur etwa 144’000 Mitarbeitende beschäftigen (Quelle: Die SBVg und der Finanzplatz Schweiz, Schweizerische Bankiervereinigung, Februar 2020). Zum Vergleich: Die Schweiz zählt fast 590’000 KMU die mehr als 3 Millionen Menschen Arbeit geben (Quelle: Statistik der Unternehmensstruktur, Bundesamt für Statistik BfS, Stand der Daten: 22.08.2019).

 

Wie verdienen Banken ihr Geld?

Die Tätigkeit von Banken basiert auf zwei sich ergänzenden Abläufen. Auf der einen Seite bieten Banken Konti an. Sie bewahren dort das Geld ihrer Kunden auf und zahlen ihnen dafür einen Zins. Auf der anderen Seiten leihen Banken eben dieses aufbewahrte Geld als Kredite wieder aus. Dafür belasten Banken einen Zins.

Zwischen denjenigen Zinsen, welche die Banken für Darlehen belasten und die in der Regel höher sind, und denjenigen Zinsen, welche sie für Spareinlagen bezahlen, in der Regel tiefer, bildet sich eine «Zinsdifferenz». Diese Differenz ist eine wichtige Einnahmequelle für jede Bank. Um dieses Grundprinzip von Banken herum sind unzählige Bankdienstleistungen entstanden, die durch einige der komplexesten Gesetze und Regewerke der Schweiz und weltweit eng gesteuert und streng überwacht werden.

 

KMU und Banken

Von Banken erhielten KMU im Jahre 2019 insgesamt CHF 325 Milliarden an Kredit (Quelle: Unternehmenskredite nach Betriebsgrössen, Schweizerische Nationalbank SNB, Stand der Daten: 21.02.2020). Das ist eine gewaltige Summe an Geld, mit der KMU sehr viel Produktives anfangen können. Trotzdem entspricht es nur 47 % des Bruttoinlandprodukts (2018: CHF 690 Milliarden). Das Total aller KMU-Kredite entsprach 17 % aller von Banken im Inland gehaltenen Vermögensteilen von CHF 1’942 Milliarden (Quelle: Die Banken in der Schweiz 2018, Schweizerische Nationalbank SNB, Juni 2019). Rein rechnerisch zeigt uns das also, dass KMU für Banken wichtige, aber nicht die allerwichtigsten Kunden sind. Deshalb, und aufgrund der extrem komplexen Bankenregelwerke erhält gemäss einer Untersuchung des SECO nur jeder Dritte KMU einen Kredit.

 

Was ist Fremdfinanzierung?

Banken bieten grundsätzlich drei Basisprodukte an. Denken Sie mal an Ihre Konten, die sie privat bei der Bank haben. Sie haben erstens ein Konto, über welches Sie Zahlungen abwickeln. Dann haben sie in der Regel zweitens ein Sparkonto, auf dem gerade nicht benötigte Gelder angelegt werden. Und planen Sie drittens eine grössere Investition, dann leiht ihnen die Bank Geld aus, um die finanziellen Bedürfnisse zu decken.

Diese Ausleihe von Geld, auch «Kredit» genannt, dient bei KMU zur Finanzierung ihrer Bedürfnisse, die sie nicht aus eigenen Mitteln decken können oder wollen. Diese Bedürfnisse lassen sich von ausserhalb der Firma finanzieren, durch jemand der Firma Fremdem. Aus diesem Grund nennt man diese Art der Aussenfinanzierung auch «Fremdfinanzierung» und sie zählt zur Kerntätigkeit von Banken.

Soll die Bank als «Fremder» dem KMU Geld ausleihen, wird sie sowohl das KMU als auch das zu finanzierende Vorhaben zuerst prüfen und nur bei nicht allzu hohem Risiko einsteigen wollen. Aus diesem Grund ist Fremdkapital nur für nicht allzu risikobehaftete Finanzierungsbedürfnisse erhältlich, was die ersten Unternehmensphase von der Gründung zur Betriebsaufnahme ausschliesst.

 

Versorgung mit genügend Liquidität

KMU benötigen jederzeit genügend Liquidität, um ihre fälligen Rechnungen bezahlen zu können, so zum Beispiel im berühmten «Januarloch». Dafür können Banken einen «Kontokorrentkredit» anbieten. Dabei handelt es sich um ein Konto, welches bis zu einer bestimmten Untergrenze temporär überzogen werden darf.

 

Einkauf von mobilen Vermögens- und Verbrauchsgütern

Auch für den Einkauf von mobilen Vermögensgütern, wie zum Beispiel Fahrzeuge, Maschinen, Einrichtungen und Ausrüstung, aber auch für den Einkauf von Rohmaterial und Halbfabrikate können KMU auf die Fremdfinanzierung durch Banken zurückgreifen. Dazu bieten Banken einen kurzfristigen Kredit, den «Betriebskredit» an. Dieser kann innert einer bestimmten, nicht allzu langen Laufzeit verwendet werden und mit eher kurzfristigen Vermögenswerten des KMU zu Gunsten der Bank abgesichert werden.

 

Kauf oder Bau von Immobilien

Nun kann ein KMU aber nicht nur mobile Güter einkaufen, sondern auch Immobilien wie Produktions-, Lager- oder Verwaltungsgebäude kaufen oder selbst bauen. Dafür benötigt es mehr Kapital, als für mobile Vermögensgüter. Banken stellen deshalb Investitionsdarlehen in Form von «Hypothekarkrediten» zur Verfügung. Da diese Kredite mit einer längeren Laufzeit verbunden sind, verlangen Banken dafür eine Absicherung über den Eigentumsvorbehalt auf dem Grundeigentum des KMU.

 

Finanzierung von Wachstum

Das Wachstum eines KMU kann in vielerlei Hinsicht das Portemonnaie belasten. Erhält ein KMU einen Grossauftrag, so muss es diesen vorfinanzieren. Auch der Aufbau neuer Märkte und die Anstellung von zusätzlichem Personal ist kostenintensiv. Zusätzlich sind auch die Digitalisierung und das Projektgeschäft  Themen, welche KMU in ihrer Wachstumsphase oftmals beschäftigen und Kosten verursachen. Da Wachstum immer mit erhöhtem Risiko verbunden ist, kann nur ein Teil davon über Banken finanziert werden. Im zweiten Artikel unserer Serie «Finanzierungslösungen» zeigen wir Ihnen auf, wie solche Wachstumsprojekte finanziert werden können.